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1911–1914 · Innenstadt
Stuttgarter Markthalle
Martin Elsaesser, Stuttgart
Die Stuttgarter Markthalle zählt zu den schönsten Jugendstil-Markthallen Deutschlands. Martin Elsaesser, damals Assistent Paul Bonatz' an der TH Stuttgart, entwarf eine lichtdurchflutete Eisenkonstruktion mit ornamentalen Glasfenstern, die Funktionalität und Schönheit verbindet. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird bis heute als täglicher Markt genutzt – eine Kontinuität von über 110 Jahren, die in deutschen Innenstädten ihresgleichen sucht.
JugendstilMarkthalleDenkmal
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1914–1922 · Hauptbahnhof
Stuttgarter Hauptbahnhof
Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer, Stuttgart
Paul Bonatz nannte seinen Hauptbahnhof „Umbilicus sueviae" – den Nabel Schwabens. Ineinander verschachtelte Stahlbetonkuben mit grober Muschelkalkfassade, ein asymmetrisch positionierter Turm als Stadtlandmarke: der Bau überbrückt Historismus und Moderne ohne in eine der beiden Fallen zu tappen. Der Kunstkritiker Gottfried Knapp bezeichnete ihn als den wichtigsten Bahnhofsbau zwischen Historismus und Moderne. 1987 erhielt er Denkmalschutz der höchsten Kategorie. Im Zuge von Stuttgart 21 wurden seine Seitenflügel 2010 und 2012 abgerissen.
BahnhofBonatzKulturdenkmal
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1927–1928 · Innenstadt
Tagblatt-Turm
Ernst Otto Oßwald, Stuttgart
Das erste Stahlbetonhochhaus Deutschlands und weltweit das erste Hochhaus in Sichtbeton entstand als Verlagsgebäude der „Stuttgarter Tageszeitung" gegenüber dem später abgerissenen Kaufhaus Schocken. Der 18-stöckige Turm ist eines der wichtigsten Zeugnisse des Neuen Bauens in Stuttgart. Im Stuttgarter Stadtbild ist der Tagblatt-Turm mit seiner markanten Leuchtschrift und kubischen Strenge bis heute ein prägendes Zeichen. Unter Denkmalschutz, heute als Bürohaus genutzt.
HochhausNeues BauenSichtbeton
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1927 · Killesberg
Weissenhofsiedlung
Ludwig Mies van der Rohe (Ltg.) · Le Corbusier, Walter Gropius, Hans Scharoun, J.J.P. Oud u. a.
Das wichtigste Ensemble der Architekturmoderne auf deutschem Boden. Unter Leitung von Mies van der Rohe errichteten 17 europäische Architekten in vier Monaten 21 Häuser mit 60 Wohnungen. Flache Dächer, Fensterbänder, freie Grundrisse: das Manifest der neuen Sachlichkeit. Sofort als „Arabersiedlung" verspottet und von Konservativen als Kulturbolschewismus bekämpft. Le Corbusiers zwei Häuser sind seit 2016 UNESCO-Weltkulturerbe. Die Siedlung ist bis heute bewohnt und öffentlich zugänglich.
UNESCO-WelterbeMies van der RoheLe Corbusier
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1926–1928 · Innenstadt
Kaufhaus Schocken
Erich Mendelsohn, Berlin (abgerissen 1960)
Das schönste Kaufhaus Deutschlands, sagte die Presse bei der Eröffnung 1928 – und traf damit den Nerv. Ein halbrunder gläserner Treppenturm, dynamische Fensterbänder, ein Baukörper, der die expressionistische Energie Mendelsohns in ruhigere Sachlichkeit überführte. Das Gebäude wurde 1938 enteignet, 1944 ausgebombt, 1945 wieder eröffnet. 1960 trotz internationaler Proteste abgerissen – für einen Kaufhausneubau und eine „autogerechte" Straßenverbreiterung. Ein Verlust, der Stuttgart bis heute begleitet.
Abgerissen 1960MendelsohnNeues Bauen
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1931 · Hauptbahnhof
Hotel Graf Zeppelin
Paul Bonatz, Stuttgart
Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof zeigt Bonatz die reifere Phase seiner Handschrift: keine Ornamentik, klare Kubatur, Natursteinfassade von stiller Würde. Das Hotel Graf Zeppelin ist das eleganteste Gebäude, das Bonatz je entworfen hat – reduzierter als der Bahnhof, aber mit derselben tektonischen Konsequenz. Bis heute eines der renommiertesten Stuttgarter Stadthotels. Das Gebäude dokumentiert, wie die Stuttgarter Schule zu einer gemäßigten, zeitlosen Sachlichkeit findet, die weder historistisch noch avantgardistisch ist.
HotelBonatzStuttgarter Schule
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1933 · Killesberg
Kochenhofsiedlung
Paul Schmitthenner und andere, Stuttgart
Sechs Jahre nach der Weissenhofsiedlung und 300 Meter Luftlinie entfernt: Paul Schmitthenner errichtet eine Siedlung als expliziten Gegenentwurf. Steildächer, Fachwerk, regionale Holzbauweise, erdige Farbtöne – unter dem Ausstellungstitel „Deutsches Holz für Hausbau und Wohnung". Der Architekt Stephan Trüby ordnete sie der NS-nahen „Blut-und-Boden-Architektur" zu. Schmitthenner war Gründungsmitglied des konservativen Architektenbundes „Der Block" und später NSDAP-Mitglied. Die Siedlung steht unter Denkmalschutz.
WohnsiedlungSchmitthennerNS-Kontext
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1912 · Oberer Schlossgarten
Staatstheater Stuttgart
Max Littmann, München
Das Große Haus des Staatstheaters Stuttgart, 1909–1912 nach Plänen des Münchner Architekten Max Littmann errichtet, ist eines der bedeutendsten Theaterbauten seiner Zeit in Deutschland. Das neoklassizistische Gebäude mit seinen markanten Portiken und dem großzügigen Foyer hat die Stuttgarter Kulturmeile von Anfang an definiert. Seine seit Jahrzehnten diskutierte Sanierung und mögliche Erweiterung ist bis heute Gegenstand einer der aufwändigsten kulturpolitischen Debatten Baden-Württembergs.
TheaterNeoklassizismusKulturmeile
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1927–1928 · Innenstadt
Schocken-Erbe: Eiermann-Haus (Horten)
Egon Eiermann, Karlsruhe (1960/61)
Egon Eiermann – eine der prägenden Figuren der deutschen Nachkriegsarchitektur – errichtete nach dem Abriss des Schocken-Baus den Horten-Kaufhausneubau an gleicher Stelle. Das Gebäude mit seiner „Eiermannfassade" aus gerasterten Klinkerelementen steht heute selbst unter Diskussion. Es ist Nachfolgebau und Symbol zugleich: der Beweis, dass selbst ein herausragender Architekt nicht über das Unrecht des Vorgänger-Abrisses hinwegtrösten kann. Das Eiermann-Areal ist heute ohne Nutzungskonzept.
KaufhausEgon EiermannNachfolgebau Schocken
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1911–1914 · Killesberg
Haus Le Corbusier (Weissenhof-Museum)
Le Corbusier, Paris
Zwei der 21 Weissenhof-Häuser entwarf Le Corbusier – Doppelhaus Nr. 14/16 – und setzte in ihnen sein berühmtes „Fünf-Punkte-Programm" der neuen Architektur um: Pilotis, Dachgarten, freier Grundriss, freie Fassade, Fensterbänder. Heute ist darin das Weissenhof-Museum untergebracht, das die Entstehungsgeschichte der Siedlung dokumentiert. Es ist das einzige in Stuttgart erhaltene Gebäude Le Corbusiers und – seit 2016 als Teil des transnationalen UNESCO-Welterbes – ein internationales Ziel.
UNESCO-WelterbeLe CorbusierMuseum
Die Stuttgarter Schule – Hintergrund
Als Stuttgarter Schule bezeichnet man die an der Technischen Hochschule Stuttgart vertretenen Architekturpositionen um Paul Bonatz und Paul Schmitthenner. Sie verwarf den Historismus des 19. Jahrhunderts, vertrat aber eine klassisch-konservative Bauweise mit Bezug zu regionaler Tradition und Materialehrlichkeit. Im Kern war sie eine Reaktion auf die Architekturavantgarde der Weimarer Republik – sachlich, aber nicht funktionalistisch; modern, aber nicht radikal. Prominente Vertreter waren Bonatz (Hauptbahnhof, Hotel Graf Zeppelin), Schmitthenner (Kochenhofsiedlung) und Martin Elsaesser (Markthalle). Mit dem Hysolar-Gebäude Behnischs und der Weissenhofsiedlung hat Stuttgart beide Pole des deutschen Architekturdiskurses des 20. Jahrhunderts in sich vereint.